Notizen aus dem Samland 192 IV/2011

 

 

In der Berichtszeit lief im Samland eigentlich alles „wie üblich“ weiter, ohne dass besondere Ereignisse eintraten. Man kann fast sagen, das öffentliche Leben pendelte in der gewohnten Weise vor sich hin. Fast einziger Gesprächsstoff war die bevorstehende Wahl. Da niemand daran zweifelt, dass Premierminister Putin wieder in den Kreml zurückkehrt und Staatspräsident Medwedjew den Premierministerposten übernehmen wird, ist das alles kaum aufregend. Interessant ist dabei zu beobachten, dass beide in Umfragen nicht mehr so viel Zustimmung bekommen, wie das sonst üblich war. Von großem Interesse ist natürlich, wie die Platzverteilung in der Moskauer Staatsduma ausfallen wird.

Für das Königsberger Gebiet ist schon von Bedeutung, wer in Moskau das Sagen hat, sind doch die gesamten Kurzonen – also die Ostseeküste und der Strand, somit auch die jeweiligen Promenaden – direkt Moskau unterstellt! Die örtlichen Verwaltungen haben so gut wie kein Mitspracherecht. Viele der in den letzten Jahren aus dem Boden geschossenen Neueinrichtungen von öffentlichen Anlagen sind durch Sponsoren finanziert.

Einer Umfrage zufolge bezeichneten im September 2011 63 Prozent der Bewohner von Großstädten und 60 Prozent von Kleinstadtbewohnern ihre Lebensbedingungen als „schwer“. Die Bedingungen auf dem Lande liegen natürlich noch weiter darunter. 31 Prozent der Befragten im mittleren Alter sind der Ansicht, dass sie gegenwärtig die schwierigsten Zeiten überhaupt durchleben.

Wenn auch in den Städten die Arbeitslosenzahlen inzwischen wieder etwas gefallen sind, so hängt das vor allem daran, dass die „Fremdarbeiter“ z. T. das Königsberger Gebiet wieder verlassen haben.

Die Lebenshaltungskosten haben teilweise erneut etwas angezogen. Umtauschrate schwankt zurzeit. zwischen 1 € : 39,8 Rubel bis teilweise sogar 1€ : 43,1 Rubel. Auch die Hotelpreise wurden teilweise etwas erhöht. Dennoch kann man als Ausländer ganz gut und kostengünstig leben. Es entstehen auch immer mehr Hotels, Pensionen und Gaststätten, in denen u. a. das Speiseangebot als gut zu bezeichnen ist.

Ich kann nur sagen, dass man bestrebt ist, viele ausländische Gäste zu betreuen. Ständig geführte Besprechungen zum Thema „Visum“ lassen hoffen, dass es demnächst doch eine visumfreie Einreise geben wird. Ich habe den Eindruck, dass einige EU-Staaten alles boykottieren!

Von dem Autobahnring kann man nach wie vor sagen: „Alles wie gehabt – man baut und baut und es geht langsam weiter!“

Klaus A. Lunau